Projektbeschreibung

Gefangene spielen Theater – gegen Rechtsextremismus

 

Auftraggeber / Förderung durch: Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie", Förderverein JVA Holzstraße e.V. in Wiesbaden

Kooperationspartner: Agentur Dechow, Freese & Partner in Wiesbaden, Schultheaterstudio Frankfurt

Projektbeginn: 01.09.2007

Projektende: 31.08.2010

Land: Deutschland

 

Der Förderverein JVA Holzstraße e.V. in Wiesbaden führt mit der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden ein Theaterprojekt durch, das in dem Programm "Vielfalt tut gut" vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird. Anlass für eine Beteiligung an diesem Bundesprogramm ist die Beobachtung, dass sich in der JVA Wiesbaden unter Teilen der Inhaftierten eine Tendenz von fremdenfeindlichen, rechtsextremen Einstellungen abzeichnet, bei jungen Männern mit Migrationshintergrund sind chauvinistische und religiös-fundamentalistische Orientierungen zu beobachten. Hauptziel des Modellprojekts ist die Bearbeitung fremdenfeindlicher und chauvinistischer Einstellungen bei einer besonders gefährdeten Zielgruppe (soziale Benachteiligung und Devianz), um sie nach der Haftentlassung zu einem Leben in einer multikulturellen Einwanderungsgesellschaft zu befähigen. Die Möglichkeiten eines kulturpädagogischen Projekts tragen dazu bei, neue Räume spielerisch zu erproben, um sie nach der Entlassung handlungswirksam umsetzen zu können.

Dies betrifft u.a. die Aspekte:

  • Persönlichkeitsentwicklung i.S. einer Stärkung der Ich-Identität
  • regel- und rechtskonforme Lebensgestaltung
  • Stärkung der Teamfähigkeit / gemeinsame Konfliktlösungen

 

Das Theaterprojekt wird als ein zielgruppengeeignetes Instrument verstanden, Einstellungen, (Ordnungs-)Vorstellungen und Konflikte spielerisch zu thematisieren und (Verhaltens-) Alternativen aufzuzeigen. Ausgangspunkt sind biografische Erfahrungen der Teilnehmer, die zusammen mit geeigneten Stücken oder Sequenzen zu einem Theaterstück zusammengefügt werden. Dabei werden auch die "Sicht auf den Anderen" thematisiert. Das Projekt verknüpfte somit einen geschlechtsbezogenen-biografischen Ansatz mit Theaterpädagogik. Es greift neuere Ergebnisse zur Ausbildung von männlichen Lebensentwürfen auf und thematisiert die konkreten biografischen Ausformungen mit den beteiligten Jugendlichen vor dem Hintergrund, wie sie sich selbst und "den Anderen" konstruieren.

In der Projektlaufzeit waren zwei Theaterproduktionen geplant, die durch kontinuierliche Proben, Intensiv-Workshops und themengebundenen Seminare vorbereitet werden. Ab 2008 werden die Theaterproduktionen in der JVA Wiesbaden aufgeführt, die Aufführungen sollen auch der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Das Theaterprojekt ist organisatorisch an die JVA-Schule angebunden; vorgesehen ist, theaterpädagogische Arbeit als einen Bestandteil persönlichkeitsfördernder Angebote in der JVA Wiesbaden zu verankern. Das Theaterprojekt beabsichtigte, ab 2010 seine Erfahrungen anderen Justizvollzugsanstalten, insbesondere der JVA Rockenberg und der Frauenanstalt Frankfurt III vorzustellen und Möglichkeiten einer Übertragung zu diskutieren. Ein kulturpädagogisches Angebot soll damit für die soziale Re-Integration nutzbar gemacht werden.

 

Kooperationspartner

Das Projekt arbeitete mit der Agentur Dechow, Freese & Partner in Wiesbaden zusammen, die kulturelle Interventionen organisiert. Der Theaterregisseur Arne Dechow bringt dabei sein Know-how für eine (semi)professionelle Umsetzung ein. Das Schultheaterstudio Frankfurt organisiert themengebundene Workshops mit den Inhaftierten.

 

Kontakt

Christoph von Hennet, Förderverein JVA Holzstr. e.V.
Tel.: 0611/561827
E-Mail: Christoph.hennet@gmx.de

Christine Holzinger, JVA Wiesbaden
Tel.: 0611/414-3111
E-Mail: Christine.holzinger@jva-wiesbaden.justiz.hessen.de

 
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