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Projektbeschreibung

Kinderbetreuung: Bedarf und Wünsche - Elternbefragung von SGB-II-Empfängerinnen und Empfänger zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

 

Auftraggeber / Förderung durch: Hessisches Sozialministerium / Europäischer Sozialfonds

Projektbeginn: 01.02.2007

Projektende: 31.10.2007

Land: Deutschland

 

Ausgangslage

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, d.h. sowohl eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt als auch eine frühzeitige Wiederaufnahme der Berufstätigkeit nach der Geburt eines Kindes setzt einerseits ausreichende, verlässliche und flexible Angebote zur Betreuung und Bildung von Kindern voraus und es bedarf andererseits der Bereitschaft von Eltern, insbesondere der Mütter, ihr Kind "fremdbetreuen" zu lassen.

Die objektiven Hindernisse, der Mangel an Kinderbetreuungsangeboten, seien hier nur kurz umrissen: Der Rechtsanspruch auf einen (Halbtags-)Betreuungsplatz gilt erst ab dem 3. Lebensjahr eines Kindes, und geeignete Angebote für unter 3-Jährige und für Schulkinder sind noch nicht ausreichend vorhanden. Hinzu kommt, dass die Zeiten, in denen berufstätige Eltern nicht zu Hause sind, infolge von Schichtdiensten, längeren Wegstrecken zur Arbeitsstätte und unvorhersehbarem Bedarf von Betrieben sowohl ausgedehnt als auch nicht immer planbar sind.

Letzteres betrifft niedrig und hoch qualifizierte Beschäftigungsverhältnisse gleichermaßen: Zum Beispiel die Kassiererin im Supermarkt, deren Schichtzeiten, auch bei Mini-Jobs, so kurzfristig festgelegt werden, dass sie nicht mehr rechtzeitig – in der Regel eine Woche im Voraus – andere Betreuungszeiten im Kindergarten oder Hort buchen kann; aber auch die hochqualifizierte Fachfrau der IT-Branche bei plötzlich anfallendem Arbeitsbedarf.

Die subjektiven Hindernisse, ein (Klein-)Kind von fremden Personen betreuen zu lassen, beruhen u.a. auf tradierten Ansichten über Kindeswohl und Mutterpflichten: Die Vorstellung, ein Kind sei bis zu drei Jahren am besten bei der Mutter aufgehoben, ist noch tief verwurzelt, und das daraus resultierende "Rabenmüttersyndrom" macht es vielen Frauen – auch Alleinerziehenden – schwer, Angebote zur Kinderbetreuung zu nutzen.

Ein zweites kommt hinzu: Das Alter bei der Geburt des ersten Kindes hat sich insbesondere für Besserqualifizierte in eine spätere Lebensphase verschoben, meistens bleibt es voraussichtlich bei diesem einen "Wunschkind"; umso größer sind dann oft die Hemmnisse, bereits ab dem ersten Lebensjahr dieses Kind "wegzugeben".

Dem hier skizzierten "Rabenmüttersyndrom" stehen bildungspolitische Erfordernisse gegenüber, die durch PISA noch an Aktualität gewonnen haben: Eine frühzeitige Bildungsförderung "von Anfang an" trägt dazu bei, fehlende Bildungschancen und die damit verbundenen Langzeitfolgen in der Schullaufbahn und im späteren Erwerbsleben für Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien zu kompensieren. (Dies trifft insbesondere für Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund zu, hier liegt der Fokus auf einer rechtzeitigen Sprachförderung.)

 

Ziele der Elternbefragung

Die Ziele der Elternbefragung lagen auf mehreren Ebenen:

  • Eruierung des individuellen Bedarfes an Kinderbetreuung als Voraussetzung für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
  • Erforschung der subjektiven Hemmnisse für eine frühzeitige Kinderbetreuung
  • Formulierung von ersten Handlungsempfehlungen für neue Arrangements von Kinderbetreuungsangeboten

Die Elternbefragung von SGB-II-Empfänger/innen ist ein erster Schritt im geplanten Modellvorhaben "Verbesserung der Erwerbschancen von Müttern und Vätern durch flexible Betreuungsangebote für Kleinstkinder" (Arbeitstitel). Mit ihm soll eine bedarfsgerechte und passgenaue Vermittlung von Betreuungsangeboten für Eltern in Offenbach erreicht werden, indem neben dem bestehenden Zeitrahmen der Kinderbetreuungseinrichtungen "individuelle Betreuungspakete" entwickelt werden, also z.B. Rand- und Nachtbetreuungszeiten auch in den Familien selbst, Bring- und Holservice oder Organisation von zusätzlichem Betreuungsbedarf in Notsituationen.

 

Komponenten der Elternbefragung

Die Elternbefragung hatte zwei Komponenten: quantitative Befragungen und qualitative Interviews.

Quantitative Befragungen

Die Befragungen wurden anhand eines standardisierten Fragebogens durchgeführt. Er sollte Auskunft darüber geben, welchen Betreuungsbedarf arbeitssuchende Mütter und Väter haben, und welche Arbeitsangebote in der Vergangenheit aufgrund fehlender Kinderbetreuung nicht wahrgenommen werden konnten. Die in mehrere Sprachen übersetzten Fragebögen werden durch die MainArbeit GmbH mit der Bitte ausgegeben, sie möglichst sofort auszufüllen. Intendiert war eine Gesamtbefragung der bei der ARGE vorstelligen SGB-II-Empfängerinnen und Empfänger mit Kindern bis zu 14 Jahren in den Monaten März bis Juli 2007. Angestrebt war eine Gesamtzahl von 250–300 Rückläufen. Die Befragungen wurden durch Mitarbeiter/innen der MainArbeit GmbH durchgeführt.

Qualitative Interviews

In qualitativen Interviews anhand eines strukturierenden Gesprächsleitfadens sollten neben der Vertiefung der in den quantitativen Befragungen erhobenen Befunde vor allem Aufschlüsse darüber gefunden werden, welche subjektiven Hemmnisse einer frühen Betreuung entgegenstehen.

Es wurden 20 Interviews mit Müttern von Kindern unter 3 Jahren durchgeführt werden, wobei die Auswahl der Interviewten nach Möglichkeit für das Klientel der MainArbeit repräsentativ sein sollte. Die Adressen wurden von der MainArbeit GmbH zur Verfügung gestellt.

 

Produkt der Elternbefragung

Der Endbericht umfasste die Auswertung der beiden Erhebungsteile (quantitative Befragung und qualitative Interviews) sowie die zusammenfassende Auswertung und Interpretation des Gesamtmaterials im Hinblick auf den individuellen Bedarf an Kinderbetreuung als Voraussetzung für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit einschließlich der subjektiven Hemmnisse, die einer frühzeitigen Kinderbetreuung (noch) entgegenstehen. Abschließend wurden erste Handlungsempfehlungen für neue Arrangements von Kinderbetreuungsangeboten formuliert.

 

Kontakt

Oliver Lauberger, INBAS GmbH
Tel.: 069 / 27224-43
E-Mail: lauberger@remove-this.inbas.com

 

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