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23.06.2010

Bildungslotsen sollen helfen: Berufsbildungsbericht 2010 vorgelegt

Ende April wurde der Berufsbildungsbericht 2010 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vorgelegt. Anlass zur Freude war das nicht.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, fand sehr schnell deutliche Worte:"Die Zahlen des Berufsbildungsberichts sind ein Alarmsignal. Vielen jungen Migranten fehlen die Voraussetzungen für den Einstieg ins Berufsleben. Wir müssen alle Kräfte bündeln, um ihre Ausbildungsreife zu verbessern. Politik und Wirtschaft müssen dabei an einem Strang ziehen. Jugendliche aus Zuwandererfamilien brauchen eine Perspektive in diesem Land. Ihre intensive Förderung verhindert, dass unsere Gesellschaft auseinanderfällt. Sie ist ein entscheidender Beitrag zur Integration." Die nüchternen Zahlen hinter solcher Mahnung: 2008 verließen 15 Prozent der ausländischen Jugendlichen (erfasst wird nur die Staatsangehörigkeit) die Schule ohne Abschluss, von den deutschen Jugendlichen waren es 6,2 Prozent.

Und auch wenn ausländische Jugendliche einen Schulabschluss schaffen, ist das kein Garant für den Einstieg in einen Beruf. Maria Böhmer:"Es ist nicht hinnehmbar, wenn ausländische Jugendliche bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz gegenüber gleichaltrigen Deutschen bei gleicher Eignung benachteiligt werden. Wegen seiner Herkunft darf in unserem Land niemand ausgegrenzt werden. Nicht Name und Herkunft, nur Können und Leistungsbereitschaft zählen."

Im Berufsbildungsbericht hört sich der Sachverhalt etwas verklausuliert an. Forschungsergebnissen zufolge "haben Jugendliche mit Migrationshintergrund nach der allgemein bildenden Schulzeit ein ebenso hohes Interesse an einer Berufsausbildung wie deutsche Jugendliche. Liegt keine Studienberechtigung vor, sind ihre Chancen, einen Ausbildungsplatz zu erhalten, jedoch wesentlich geringer". Die Kritik der Integrationsbeauftragten zielt auf die Zustände und nicht auf die Überbringerin der schlechten Nachrichten, die als verantwortliche Ministerin letztlich Anette Schavan ist. Sie kann darauf verweisen, dass laut Berufsbildungsbericht ein "besonderer Handlungsbedarf" für eine "Bildungs- und Ausbildungsoffensive für Jugendliche mit Migrationshintergrund" besteht. Bei der Vorstellung des Berichts hat Schavan dann auch eine Idee vorgestellt, die allgemein auf Zustimmung stieß: Ab der 7. Klasse sollen Bildungslotsen Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, den Abschluss zu schaffen. Damit wird ein Good-Practice-Beispiel aufgegriffen, das von Migrantenorganisationen als Bildungspaten, großer Bruder/große Schwester und Ähnliches ausprobiert wurde. Auch für den DGB ist das ohne Wenn und Aber "ein richtiger Ansatz".

Quelle: http://www.migration-online.de,"Forum Migration Juni 2010"

Berufsbildungsbericht 2010